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Mit Sport den Beckenboden nebenbei stärken, geht das?

Mit Sport den Beckenboden stärken mit Nathalie Schabus

Nathalie Schabus ist dreifaches Mami und seit 25 Jahren selbst aktive Sportlerin (Tanz, Kraft- und Ausdauersport). Seit 8 Jahren lebt sie ihre Leidenschaft im Beruf aus. Nach sechs Jahren als Trainerin hat sie 2017 mit workyouout.ch erfolgreich den Schritt in die Selbständigkeit gewagt und arbeitet auch immer wieder mit betroffenen Kunden, wobei sie Beckenbodentraining aktiv in den jeweiligen Trainingsplan integriert.
Foto: pascal-sportfotos.ch


«Mach doch einfach Beckenbodentraining!» Ein Ratschlag, den jeder, der den Mut gefasst hat, sich einem Freund oder Familienmitglied anzuvertrauen, mit 98%iger Sicherheit schon einmal gehört hat. Niemand möchte in Frage stellen, dass Beckenbodentraining keine Wirkung hat, ganz im Gegenteil. Vor allem bei leichter Inkontinenz sind die Ergebnisse bei konsequentem Training erstaunlich, nur hapert es bei vielen eben mit genau dieser Konsequenz. Wie bei jeder Sportart ist es auch beim Beckenbodentraining mit zwei Mal Muskeln anspannen nicht getan. Wer schon bei «5 Übungen für definierte Traumarme» nach der zweiten Trainingseinheit aufgegeben und sich damit abgefunden hat, dass von nun an Langarmshirts Pflicht sind, wird bei einer schwachen Blase nicht auf einmal zur Sportskanone mutieren. Ich denke, da müssen wir ganz ehrlich mit uns sein und dürfen keine Wunder erwarten.


Ich persönlich gehöre zu genau dieser Sorte Mensch. Ich bin niemand, der stur seine Übungen absolvieren mag, auf jeden Fall nicht über eine längere Zeit, wenn die Ergebnisse nicht sofort sicht- und spürbar sind. Und damit geht es mir wohl wie so einigen. Was tue ich nun also?

 

  • Möglichkeit 1: Ich füge mich meinem Schicksal (sei es jetzt die Blasenschwäche oder die Oberarme)
  • Möglichkeit 2: Ich schliesse mich einer Gruppe an, denn in der Gruppe trainiert es sich bekanntlich leichter und macht mehr Spass, falls man ein geselliger Typ ist.
  • Möglichkeit 3: Ich suche mir eine Sportart, die die Problemzone nebenbei trainiert und mir Freude bereitet. 


Gibt es überhaupt Sportarten, welche den Beckenboden «nebenbei» trainieren? Genau diese Frage haben wir Nathalie Schabus, Personal Trainerin bei workyouout.ch, gestellt. 
Nathalie: «Es gibt Sportarten, welche die Stärkung des Beckenbodens positiv beeinflussen. Soll der Beckenboden aber gezielt gestärkt werden, so ist es unumgänglich Beckenbodentraining zu absolvieren.»


Somit bringt es nicht besonders viel, wenn ich z.B. ich ins Yoga gehe oder regelmässig schwimme mit der Absicht, etwas Gutes für meinen Beckenboden zu tun?
Nathalie: «Bewegung ist immer positiv. Wichtig ist dabei, dass man sich beim Training auf den Beckenboden konzentriert (seine Gedanken gezielt dort hinleitet) und diesen bewusst an- und entspannt. Besonders effektiv ist Pilates, weil dort dem Powerhouse (Anm. d. Red.: Begriff aus dem Pilates: das ‘Powerhouse’ setzt sich zusammen aus Beckenboden, Korsettmuskel, Zwerchfell und der Tiefenmuskulatur der Wirbelsäule) besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Aber auch andere Sportarten sind geeignet, die diesen Fokus zulassen. Yoga, TRX Training, Body Weight Training oder bestimmte Tanzarten ohne komplizierte Choreographien, die einen ablenken. Auch Fahrrad fahren, Rudern und Schwimmen können positive Wirkung zeigen.»


Bei Inkontinenz kommt es häufig vor, dass der Betroffene den Sport komplett aufgibt, aus Angst, bei Anstrengung mehr Urin zu verlieren. Gibt es Sportarten, von denen du ganz abraten würdest, die vielleicht sogar eher kontraproduktiv sind? Nathalie: «Bei einer Blasenschwäche sollten Sportarten vermieden werden, bei denen der Beckenboden schweren Lasten oder Schlägen ausgesetzt ist; dadurch können sich die Organe noch weiter senken, wenn der Beckenboden bereits geschwächt ist.»


Das klingt jetzt aber doch etwas bedenklich. Ist es denn überhaupt noch möglich, mit einer Blasenschwäche zu trainieren, ohne dem Körper ungewollt zu schaden?
Nathalie: «Es kommt darauf an wie ausgeprägt die Blasenschwäche ist. Bei leichter Blasenschwäche ist es unbedenklich, sofern einige Regeln beachtet werden. Bewegung und Sport soll Spass machen und man sollte dabei «abschalten» können. Wer also an einer Blasenschwäche leidet und beschliesst mit Krafttraining oder einer anderen Sportart zu beginnen, ist gut beraten, dies dem Trainer bei der Anamnese mitzuteilen, auch wenn es einem etwas unangenehm ist. Denn nur so kann das optimale Trainingsprogramm zusammengestellt und ein gesundheitlich unbedenkliches Trainingserlebnis mit entsprechenden Ergebnissen ermöglicht werden. Blasenschwäche ist also kein Grund, auf Sport zu verzichten. Ganz im Gegenteil! Abgesehen von den körperlichen Vorteilen, darf auch nie ausser Acht gelassen werden, dass Sport einen ungemein positiven Einfluss auf das eigene Körpergefühl sowie die Psyche hat, was bei einer Inkontinenz natürlich besonders wichtig ist.»


Wenn Beckenbodentraining also nicht Ihr Ding ist, machen Sie sich keinen Vorwurf! Gehen Sie wandern, walken, Fahrrad fahren oder schwimmen. Geniessen Sie es, Ihren Körper zu spüren. Vielleicht kommt auch erst dann die Lust auf, mal etwas anderes zu versuchen. Vielleicht melden Sie sich ja in einem Kurs an, um sich eingehender mit dem Beckenboden auseinander zu setzen, indem Sie die Hilfe eines erfahrenen Trainers in Anspruch nehmen. Wichtig ist einfach, dass Sie eines nie vergessen: Inkontinenz mag Sie in gewissen Bereichen des Alltags einschränken, aber machen Sie den ersten Schritt, dass Sie Ihr Leben wieder unbeschwerter leben und geben Sie sich im Kampf nicht geschlagen. 
 

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