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Harninkontinenz – wie es dazu kommt

Zur Entleerung der Harnblase ist ein komplizierter Regelmechanismus erforderlich, der das Zusammenspiel der Harnblase und des Nervensystems steuert. Ist das Zusammenspiel an einer oder mehreren Stellen gestört, kommt es zur Harninkontinenz.

Als Kleinkind erwirbt der Mensch die Fähigkeit, seine Blasenentleerung – im Lateinischen als Miktion bezeichnet – durch seinen Willen zu beeinflussen. Diese Fähigkeit ist eine Voraussetzung für das gesellschaftliche Zusammenleben und sollte daher ein Leben lang vorhalten. Leider ist das nicht immer der Fall, denn der komplexe Vorgang der willentlichen Blasenentleerung ist störanfällig. Das kann vor allem im höheren Alter zum Problem werden. Ursache für die Harninkontinenz kann zum Beispiel eine Schädigung des Schließmuskelsystems der Harnblase sein. Auch eine Störung in der nervalen Impulsübermittlung zwischen Blase, Rückenmark und Gehirn kann zu Problemen mit dem Entleeren der Blase führen. Für die Behandlung der Harninkontinenz ist es deshalb wichtig herauszufinden, wo die Störung liegt. Dazu muss man zunächst wissen, wie das „Wasserlassen“ funktioniert.


Wichtiges zu Anatomie und Aufgaben des Harntrakts


Der Urin, auch Harn genannt, wird in den Nieren gebildet und über die ableitenden Harnwege ausgeschieden. Zu den ableitenden Harnwegen zählen die beiden Nieren und Harnleiter sowie Harnblase und Harnröhre. Harnbildung und Harnausscheidung sind für den Organismus lebenswichtige Vorgänge, die folgenden Zwecken dienen:
Absonderung harnpflichtiger Stoffe aus dem Blut, Regulierung des Flüssigkeitshaushaltes des Körpers und Sicherung des Säure-Basen-Gleichgewichts im Organismus.
Die Menge des gebildeten Urins ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Dazu zählen die Funktionsfähigkeit der Nieren und die Menge an aufgenommener Flüssigkeit. Auch wieviel Flüssigkeit über Schweiß, über die Lungen und über den Wasseranteil im Stuhl ausgeschieden wird beeinflusst die Urinbildung. Der Mittelwert ist bei Erwachsenen eine Urinmenge von 1 bis 1,5 Liter pro Tag. Die Harnblase ist allerdings nicht nur Entleerungsorgan, sondern auch Speicherorgan. Sie ermöglicht uns entleerungsfreie Intervalle, in denen sie sich füllt, ohne Harndrang auszulösen. Die Harnblase ist ein sehr dehnbarer, kugelförmiger Hohlmuskel, in den auf beiden Seiten die Harnleiter einmünden, die dem Harntransport dienen. Am unteren Ende, dem Blasenhals, setzt sich die innere Muskelschicht der Blasenwand – auch als Detrusor bezeichnet – in der Harnröhre fort. Die äußeren Detrusorfasern verlaufen spiralig um die gesamte Harnröhre und bilden so den inneren Schließmuskel. Dieser arbeitet sozusagen automatisch (oder in der Fachsprache „reflexgesteuert“) und ist nicht durch den Willen beeinflussbar. Der Beckenboden ist wie ein umgedrehter Regenschirm zwischen den Beckenknochen aufgespannt und trägt die Blase und andere Organe des unteren Bauchraums. Die Beckenbodenmuskulatur formt mit mehreren Muskelbündeln den äußeren Schließmuskel, der dem Willen unterworfen ist und damit bewusst kontrollierbar ist. Beide zusammen – der innere Schließmuskel am Blasenhals und der äußere Schließmuskel im Beckenbodenbereich – gewährleisten den Verschluss der Harnblase. Der untere Harntrakt – Blase, Harnröhre und Verschlusssystem – hat zwei Aufgaben zu erfüllen: die Urinspeicherung und die kontrollierte Urinentleerung (Miktion). Hierfür ist neben einer intakten Blasen- und Schließmuskulatur eine funktionierende Nervenversorgung erforderlich.


Was bei der Blasenentleerung geschieht


Füllt sich die Blase während der Speicherphase, bemerken wir das nicht. Grund dafür ist die sehr elastische Blasenwandmuskulatur, die eine Füllung ohne Drucksteigerung ermöglicht. Das Schließmuskelsystem am Harnröhrenausgang ist während der Füllungsphase geschlossen. Die zunehmende Blasenfüllung löst mit der Zeit Nervenimpulse der Blase aus. Diese gelangen über die Nervenbahnen im Rückenmark zum Miktionszentrum im Hirnstamm und von dort zu höheren Hirnzentren. Sobald diese Nervenimpulse eine bestimmte Stärke erreicht haben, nehmen wir sie als Harndrang wahr. Beim gesunden Menschen geschieht das meist mit Erreichen des Fassungsvermögens der Harnblase von etwa 300 bis 500 ml. Die Blasenentleerung kann jetzt bewusst eingeleitet werden. Die entsprechenden „Befehle“ gelangen über das Rückenmark zur Blase und sorgen dafür, dass sich die Blasenmuskulatur zusammenzieht. Sie treibt den Urin aus und öffnet den inneren Schließmuskel. Gleichzeitig erschlafft die Beckenbodenmuskulatur, wodurch sich auch der äußere Schließmuskel öffnet. Urin wird abgesetzt. Beim gesunden Menschen kann die Blase in der Regel vollständig, bis auf eine normale Restmenge von maximal 30 ml entleert werden. Die Kontrolle über das Miktionszentrum versetzt uns aber auch in die Lage, den Harndrang zu unterdrücken oder eine Blasenentleerung auch ohne Harndrang einzuleiten.

 


Ursachen für Störungen der Blasenentleerung

 

Die vereinfachte Darstellung der Blasenentleerung lässt erahnen, wie störanfällig der Vorgang ist. Es sind vor allem vier Ursachen, die unkontrollierten Harnabgang zur Folge haben können.

 

  • Das Schließmuskelsystem hat nicht mehr genügend Verschlusskraft.
  • Die Blasenmuskulatur kontrahiert zu viel oder gar nicht mehr.
  • Ein Abflusshindernis in oder außerhalb der Harnröhre behindert die Entleerung.
  • Die Übermittlung der Nervenimpulse zwischen Blase, Rückenmark und Gehirn ist ganz gestört oder teilweise beeinträchtigt.


Diese Funktionsstörungen haben wiederum die unterschiedlichsten Auslöser. Schuld sein können beispielsweise Harnwegsinfektionen, Beckenbodenschwäche oder Prostatavergrößerungen. Auch degenerative Veränderungen im Gehirn, Stoffwechselerkrankungen, Rückenmarksverletzungen oder Auswirkungen von Medikamenten können Störungen verursachen.
Auf Grundlage der unterschiedlichen Funktionsstörungen unterscheidet man verschiedene Formen der Harninkontinenz. Die häufigsten Formen sind Stressinkontinenz, Dranginkontinenz und Überlaufinkontinenz. Im Alter hat die Harninkontinenz selten nur eine der oben aufgeführten Ursachen und wird deshalb auch als Mischinkontinenz bezeichnet. Dem Betroffenen kann nur dann wirkungsvoll geholfen werden, wenn die Ursache seines Leidens bekannt ist. Daher ist es wichtig, dass ein Arzt die Form der vorliegenden Harninkontinenz genau diagnostiziert.

 


Bei normaler Blasenfunktion wird der Grad der Blasenfüllung über ein Schaltzentrum im unteren Rückenmark an das Gehirn gemeldet. Durch entsprechende Befehle, die vom Gehirn und vom Schaltzentrum im Rückenmark an die Blase ergehen, kann die Blasenentleerung bewusst eingeleitet werden.

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